Beschäftigung
Lohnstrukturerhebung der Schweiz: Löhne nach Branche und Region lesen
Das Bundesamt für Statistik (BFS) führt die Schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE) alle zwei Jahre durch.
Was die Schweizerische Lohnstrukturerhebung ist – und wofür sie gebraucht wird
Das Bundesamt für Statistik (BFS) führt die Schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE) alle zwei Jahre durch. Befragt wird keine Vollerhebung, sondern eine Stichprobe ausgewählter Betriebe; sie liefert detaillierte Angaben zu Lohnniveau, Lohnkomponenten und Lohnstruktur in der Schweiz. Für das Datenjahr 2024 war die elektronische Datei bis am 28. Februar 2025 einzureichen.
Die Ergebnisse sind keine Momentaufnahme, sondern Referenzindikatoren. Die LSE gibt Sozialpartnern und Wirtschaftsakteuren die Grundlage, um die Dynamik der Löhne auf dem Schweizer Arbeitsmarkt zu messen und zu beurteilen. Die ersten Ergebnisse präsentiert nicht nur das BFS: An derselben Medienkonferenz ordnen auch Vertretungen des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO), des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB) und des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV) die Zahlen ein. Diese drei Akteure verhandeln Lohnfragen in der Schweiz und stützen sich auf dieselbe Zahlenbasis.
Medianlohn 2024: 7024 Franken – und warum dieser Wert mehr taugt als der Durchschnitt
Für das Datenjahr 2024 weist die LSE einen Medianlohn von 7024 Franken brutto pro Monat aus, bezogen auf eine vollzeitbeschäftigte Person. 2022 lag der Wert bei 6788 Franken; das entspricht einer Zunahme von 3.5 Prozent.
Ob eine Lohnzahl etwas aussagt, hängt vom Unterschied zwischen Mittelwert und Median ab. Der Durchschnittslohn entsteht, indem alle Löhne zusammengezählt und durch die Anzahl der Beschäftigten geteilt werden; sehr hohe oder sehr niedrige Einkommen verschieben ihn stark und können ein verzerrtes Bild vermitteln. Der Medianlohn ist der Wert genau in der Mitte der nach Grösse sortierten Lohnliste: Die eine Hälfte verdient mehr, die andere weniger. Er reagiert weniger auf Ausreisser und zeigt besser, was eine «typische» Person in der Schweiz verdient. Für Lohndatenvergleiche, etwa ein Benchmarking, ist der Median in der Regel die bessere Wahl; der Mittelwert bleibt nützlich, wenn die gesamte Lohnsumme einer Gruppe interessiert.
Medianlohn 2024: 7024 Franken brutto pro Monat
- Medianlohn 2024 (brutto, Vollzeit) — 7024 Franken
Vorteile und Grenzen des Medianlohns gegenüber dem Durchschnittslohn
- Pro
- Weniger empfindlich gegenüber Ausreissern
- Pro
- Bessere Darstellung typischer Verdienste
- Con
- Ignoriert die Gesamtlöhne einer Gruppe
Tiefe Löhne, hohe Löhne, Boni: die Breite der Lohnpyramide
Die Verteilung sagt mehr als der Mittelwert. Die 10 Prozent der Arbeitnehmenden mit den tiefsten Löhnen verdienten 2024 weniger als 4635 Franken pro Monat – jede zehnte arbeitnehmende Person bezog damit einen Tieflohn. Die am besten bezahlten 10 Prozent erhielten über 12'526 Franken pro Monat.
Variabler Lohn ist verbreitet, aber nicht die Regel: Knapp ein Drittel der Arbeitnehmenden (32.6 Prozent) erhielt 2024 Boni, mit einem Jahreswert von durchschnittlich 11'967 Franken.
Über die Zeit ist die Lohnpyramide bemerkenswert stabil: Zwischen 2008 und 2024 hat sie sich kaum verändert.
Löhne nach Branche und Region lesen: was die LSE trennt – und was nicht
Die LSE beantwortet Fragen, wie sich die Lohnniveaus nach Wirtschaftszweig, Profil der Arbeitnehmenden oder Region unterscheiden und wie sich das Gefälle zwischen den höchsten und den tiefsten Löhnen in den letzten Jahren verändert hat. Ausgewertet werden auch Lohndifferenzen zwischen Schweizer und ausländischen Arbeitnehmenden, unterschieden nach Aufenthaltsbewilligung.
Beim Lesen der Branchen- und Regionaltabellen wirken mehrere Dimensionen zusammen: Wirtschaftszweig, Region, Qualifikation und Anforderungsniveau der Stelle, Hierarchiestufe und Beschäftigungsgrad. Ein Vergleich zwischen zwei Regionen zeigt deshalb nicht den «reinen» Regionseffekt, sondern das Ergebnis der dort vertretenen Branchen und der Zusammensetzung der Beschäftigten. Praktisch heisst das: zuerst innerhalb vergleichbarer Branchen und Anforderungsniveaus vergleichen, erst danach Regionen gegenüberstellen – und bei jeder Zahl prüfen, ob sie sich auf alle Arbeitnehmenden oder nur auf eine Teilgruppe bezieht.
Branche mit den höchsten Löhnen (2024)
- Finanz- und Versicherungswirtschafthohe Löhne
- Information und Kommunikationhohe Löhne
- Gewerbe und Industriemittel bis hohe Löhne
Was im ausgewiesenen Bruttolohn steckt – und was nicht
Damit Teilzeit- und Vollzeitangaben vergleichbar bleiben, rechnet das BFS alle Löhne auf einen standardisierten Monatslohn von 40 Stunden pro Woche um. Die ausgewiesenen Beträge beziehen sich also auf eine einheitliche Arbeitszeit, unabhängig vom tatsächlichen Beschäftigungsgrad der einzelnen Person.
In den Bruttolohn fliessen der Lohn des Monats Oktober, die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmenden, Naturalleistungen, regelmässige Prämien sowie Umsatz- oder Provisionsanteile ein. Dazu kommen Entschädigungen für Schicht-, Nacht- und Sonntagsarbeit sowie anteilig der 13. Monatslohn und jährliche Sonderzahlungen wie Boni. Familien- und Kinderzulagen zählen ausdrücklich nicht dazu. Wer die LSE-Werte mit eigenen Lohnabrechnungen vergleicht, muss diese Abgrenzung beachten: Abrechnungen enthalten regelmässig Positionen, die in der Erhebung nicht oder nur anteilig berücksichtigt sind.
Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern: 8.4 Prozent – und die Hierarchie dahinter
Das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern, gemessen am Median der Gesamtwirtschaft, geht zurück: 2024 betrug es 8.4 Prozent, nach 9.5 Prozent im Jahr 2022, 10.8 Prozent im Jahr 2020 und 11.5 Prozent im Jahr 2018.
Das Gefälle verläuft nicht über alle Stufen gleich: Je höher die Hierarchiestufe, desto ausgeprägter sind die geschlechterspezifischen Lohnunterschiede. Frauen in Stellen mit hohem Verantwortungsniveau verdienten 2024 10'077 Franken brutto pro Monat.
Ein einzelner Prozentwert erklärt keine Ursachen. Ob ein Teil des Gefälles auf den Wirtschaftszweig, die Berufserfahrung, den Beschäftigungsgrad oder die hierarchische Position zurückgeht, zeigt sich erst in den nach Wirtschaftszweig, Anforderungsniveau und Profil der Arbeitnehmenden aufgeschlüsselten Auswertungen.
Von der Betriebsbefragung zur Publikation: Ablauf, Termine und Zahlenbezug
Alle zwei Jahre befragt das BFS stichprobenmässig ausgewählte Betriebe; für das Datenjahr 2024 war die elektronische Datei bis am 28. Februar 2025 einzureichen. Die ersten Ergebnisse der LSE 2024 wurden am 25. November 2025 publiziert. Zwischen Abgabetermin und Publikation liegt damit knapp ein Jahr, in dem die Angaben plausibilisiert und ausgewertet werden.
An der Medienkonferenz zur Publikation ordneten Vertretungen des SECO, des SGB und des SAV die Ergebnisse ein. Für die Datierung von Zahlen ist dieser Ablauf zentral: Angaben zur LSE 2024 beziehen sich auf das Jahr 2024, werden aber erst Ende 2025 veröffentlicht – und die nächste Ausgabe folgt erst zwei Jahre später.

