Indikatoren

Einkaufsmanagerindex der Schweiz: Aufbau und Aussagekraft

Der Einkaufsmanagerindex (Purchasing Managers' Index, PMI) ist ein monatlich erscheinender Frühindikator der Konjunktur.

Was der Einkaufsmanagerindex leistet

Der Einkaufsmanagerindex (Purchasing Managers' Index, PMI) ist ein monatlich erscheinender Frühindikator der Konjunktur. Führungskräfte, Analysten und Wirtschaftsjournalisten nutzen ihn als verlässliches Prognoseinstrument, auch weil er häufiger vorliegt als Quartalsdaten wie das Bruttoinlandprodukt. Gemessen werden keine produzierten Mengen, sondern die Einschätzung der Einkaufsverantwortlichen, ob sich Geschäfts- und Branchenbedingungen gegenüber dem Vormonat verbessert, unverändert oder verschlechtert haben.

Der Index stammt aus den USA, wo er sich seit über 50 Jahren bewährt hat. Dort befragt das Institute for Supply Management (ISM) für seinen PMI die Einkaufsmanager von mehr als 300 Herstellern verschiedener Grösse an unterschiedlichen Standorten. Investoren ziehen PMIs heran, um nachzuvollziehen, wie Einkaufsmanager die Zukunft ihrer Branche einschätzen; die Werte können Auskunft über die Marktstimmung geben und dienen als Basis für Handelsentscheidungen.

Monatliche Umfrage: Panel, Fragebogen, Auswertung

In der Schweiz stützen sich die Indizes auf monatliche Angaben von über 430 Einkaufsmanagern. Sie beantworten einen standardisierten Online-Fragebogen anonym und mit qualitativer Einschätzung; der Aufwand beträgt rund 15 Minuten pro Monat. Angegeben wird nur, ob das Aktivitätsniveau einzelner Kennzahlen höher, gleich oder tiefer liegt als im Vormonat. Teilnehmen können Führungskräfte im Einkauf eines Industrie-, Dienstleistungs- oder Handelsunternehmens.

procure.ch ermittelt den PMI Industrie seit mehr als 25 Jahren und den PMI Service seit rund sieben Jahren, jeweils mit der UBS Switzerland AG. Das Economic-Research-Team der UBS Switzerland AG analysiert und kommentiert die aggregierten Antworten der Einkaufsleiter und Wirtschaftsanalysten. procure.ch und die UBS Switzerland AG laden jährlich zum VIP-Panel-Meeting ins Forum St. Peter in Zürich ein.

Grundlagen des Schweizer PMI: Umfrage, Panel und Partner

Anzahl Einkaufsmanager im Panel
430+
Partnerorganisation
UBS Switzerland AG
Dauer der PMI-Erhebung (Industrie)
mehr als 25 Jahre
Dauer der PMI-Erhebung (Dienstleistung)
rund 7 Jahre

Aufbau der beiden Fragebögen: Industrie und Dienstleistung

Der Fragebogen für das Verarbeitende Gewerbe erfasst Produktion/Ausstoss, Auftragsbestand (Kundenbestellungen), Einkaufsmenge, Einkaufspreise, Lieferfristen (länger, gleich, kürzer), rückständige Güter, Lagerbestand eingekaufter Rohmaterialien, Halbfabrikate und Komponenten, Lagerbestand Fertigprodukte sowie die Anzahl Beschäftigte.

Beim PMI Dienstleistung, der Dienstleistungs- und Handelsunternehmen abdeckt, werden Geschäftstätigkeit, Neuaufträge, Auftragsbestand (Kundenbestellungen), Einkaufspreise, Verkaufspreise und die Anzahl Beschäftigte abgefragt. Die Verkaufspreise stehen nur im Dienstleistungsfragebogen; Lager- und Lieferfristenkomponenten bleiben auf die Industrie beschränkt. Zum Sektor Dienstleistung zählen Firmen, die mehr als die Hälfte ihres Umsatzes als Dienstleister erwirtschaften: Sie handeln mit Gütern oder erbringen Leistungen, die unmittelbar vom Kunden verbraucht werden, etwa Beratung, Bewirtschaftung oder Entwicklung. Die Abgrenzung ist nicht immer eindeutig.

Vom Antwortbogen zum Indexwert

Bei jeder abgefragten Kennzahl haben die Befragten nur drei Antwortmöglichkeiten: höher, gleich oder tiefer als im Vormonat. Aus diesen Antworten werden die procure.ch-Indizes gebildet, gewichtet und saisonbereinigt. Sie messen Richtung und Geschwindigkeit der Veränderung jeder beobachteten Kennzahl.

Weil nur die Veränderungsrichtung und ihre Verbreitung erfasst werden, sagt ein Indexwert nichts über die Grössenordnung der Veränderung aus: Ein Wert von 55 bedeutet nicht, dass die Produktion um fünf Prozent gestiegen ist. Der Index zeigt daher nicht Mengen, sondern wie breit eine Zu- oder Abnahme im Panel abgestützt ist.

Ab 50 Punkten: Richtung, Tempo und Komponenten

Werte über 50 Punkten signalisieren Wachstum, Werte darunter Schrumpfung; je weiter ein Wert von der Schwelle entfernt liegt, desto stärker ist die Dynamik. Im August stieg der PMI Industrie um 3,9 auf 57,1 Punkte und lag damit den sechsten Monat in Folge über der Wachstumsschwelle. Die Produktionskomponente erreichte 59,8 Punkte, die Auftragsbestandskomponente 57,5 Punkte. Im Dienstleistungssektor fiel der Index im selben Monat um 5,6 auf 58,3 Punkte, signalisierte aber weiterhin solides Wachstum.

Die Komponenten liefern Zusatzsignale. Steigende Einkaufspreise und längere Lieferfristen deuten auf Engpässe und Kostendruck: Im August wurden höhere Preise unter anderem für Kunststoffe, Transportleistungen, elektronische Komponenten und Basismetalle gemeldet, mit Verzögerungen besonders bei elektronischen Komponenten wie Speicherchips; die Einkaufspreise stiegen weiter, aber schwächer als zuvor. Gesunkene Verkaufspreise bei gleichzeitig höheren Einkaufspreisen deuten auf Margendruck hin – diese Konstellation zeigte sich im Dienstleistungssektor.

Beschäftigungsindikatoren reagieren träger als Produktion und Auftragseingang. In der Industrie verbesserte sich die Beschäftigungskomponente nach acht Monaten mit rückläufigen Werten auf 50,4 Punkte und lag erstmals wieder über der Wachstumsschwelle. Im November 2021 stellte rund ein Viertel der Industrieunternehmen mehr Personal ein, während die grosse Mehrheit ihren Personalbestand unverändert liess. Im Dienstleistungssektor gab die Beschäftigungskomponente damals um 8,6 Punkte auf 47 Punkte nach, obwohl die Geschäftstätigkeit verbreiteter zugenommen hatte.

PMI-Indizes der Schweiz im August 2026: Wachstum in der Industrie, leichte Rückgänge im Dienstleistungssektor

  • PMI Industrie — 57.1

Komponenten des PMI Industrie im August 2026: Höchste Werte bei Produktion und Auftragsbestand

  1. Produktion/Ausstoss59.8
  2. Auftragsbestand (Kundenbestellungen)57.5

Aussagekraft und Grenzen

Der PMI beruht auf qualitativen Einschätzungen von Einkaufsverantwortlichen, nicht auf gemessenen Mengen. Er zeigt Richtung und Tempo einer Veränderung, nicht deren Grössenordnung in Prozent oder Franken. Deshalb können die Werte von den Erwartungen der Ökonomen abweichen: Im August übertraf der Industrieindex mit 57,1 Punkten die von der Nachrichtenagentur AWP erhobenen Erwartungen von 53,5 bis 54,0 Punkten klar, während der Dienstleistungsindex mit 58,3 Punkten am unteren Ende der Analystenerwartungen lag. Im November 2021 wurden 63,0 bis 65,4 Punkte erwartet, tatsächlich resultierten 62,5 Punkte.

Einzelne Komponenten können gegenläufig laufen. Im Dienstleistungssektor nahmen Geschäftsaktivität und Auftragsbestand im August weiter zu, die Neuaufträge gaben dagegen leicht nach. Im November 2021 stieg die Geschäftstätigkeit verbreiteter als im Vormonat, während die Beschäftigungskomponente unter die Wachstumsschwelle fiel. Wie weit solche Ausschläge reichen, zeigte sich in Extremphasen: Auf dem Höhepunkt der Coronakrise im Frühling 2020 sackte der Industrieindex auf 41,2 Punkte ab, für die Dienstleister ging es gegen 20 Punkte zurück.

Die Aussagekraft fällt je nach Sektor unterschiedlich aus. Der Dienstleistungssektor ist stärker auf die Binnenwirtschaft ausgerichtet, weshalb sich die beiden Indizes auseinanderentwickeln können – im August kühlte sich die Stimmung bei den Dienstleistern nach einem starken Vormonat ab, während die Industrie breit abgestützt an Fahrt gewann. Der PMI steht zudem neben anderen vorlaufenden Indikatoren wie dem KOF-Konjunkturbarometer, das sich im November 2021 ebenfalls rückläufig zeigte.

Wichtige Entwicklungen im Schweizer PMI: Von 2020 bis 2026

  • August 2026 – Starker Anstieg in der Industrie — PMI Industrie bei 57.1 Punkten

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