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Beschäftigung

Vollzeitäquivalente berechnen: Beschäftigungsdaten richtig vergleichen

Vollzeitäquivalente (VZÄ) sind eine rein rechnerische Grösse: Das Arbeitsvolumen sämtlicher Voll- und Teilzeitbeschäftigten wird in Vollzeitstellen umgerechnet.

Was Vollzeitäquivalente (VZÄ) bedeuten

Vollzeitäquivalente (VZÄ) sind eine rein rechnerische Grösse: Das Arbeitsvolumen sämtlicher Voll- und Teilzeitbeschäftigten wird in Vollzeitstellen umgerechnet. Der Indikator des Kantons Basel-Stadt beschreibt die Beschäftigung in VZÄ genau so, und das Bundesamt für Statistik (BFS) führt «Vollzeitäquivalente (VZÄ)» als eigene Definition. In der englischsprachigen Literatur heisst die Kennzahl FTE (Full Time Equivalent); eine Vollzeitstelle entspricht dabei dem Wert 1,0, wie der Zeiterfassungsanbieter Kelio erläutert.

Der Unterschied zur Beschäftigtenzahl (Headcount) zeigt sich am einfachsten an einem Beispiel, das Kelio aufführt: Drei Mitarbeitende mit je 20 Stunden pro Woche ergeben in einem Betrieb mit einer Vollzeitnorm von 40 Stunden pro Woche zusammen 1,5 FTE – der Headcount beträgt in diesem Fall 3. Der Headcount zählt Köpfe, die VZÄ messen das dahinterstehende Zeitvolumen. Wer Personalbestände über Standorte, Jahre oder Branchen vergleicht, vergleicht mit dem Headcount Äpfel mit Birnen, sobald die Teilzeitquoten unterschiedlich sind.

Die Grundformel der VZÄ-Berechnung

Die Berechnung folgt einem Bruch: VZÄ = Summe der geleisteten Stunden aller Mitarbeitenden im Zeitraum ÷ Stunden einer Vollzeitstelle im gleichen Zeitraum. Diese Formel nennt Kelio als gängige Variante; sie funktioniert wochen-, monats- oder jahresweise, solange Zähler und Nenner denselben Zeitraum abdecken.

Entscheidend ist die Einheit, in der man rechnet, denn dieselbe Zahl bedeutet je nach Periode etwas anderes. Auf Wochenbasis ausgedrückt ist ein Wert von 0,5 eine halbe Stelle; auf Jahresbasis ist derselbe Wert 0,5 ein halbes Jahresarbeitsvolumen. Ein Wochenpensum lässt sich hochrechnen: Bei 40 Stunden pro Woche ergeben sich gemäss Indeed monatlich 160 Stunden (40 × 4) und jährlich 2'080 Stunden (40 × 52). Wer mit Monats- oder Jahreswerten arbeitet, muss die Bezugsgrösse deshalb immer mitliefern – sonst ist die Kennzahl nicht interpretierbar.

Schritte zur Berechnung von Vollzeitäquivalenten (VZÄ)

  1. 3. Summierung der geleisteten Stunden aller MitarbeitendenEffektiv erfasste Stunden aus Zeiterfassung
  2. 5. Dokumentation der RechenbasisSchriftliche Festlegung der Norm (z. B. 40 oder 42 h/Woche)

Vollzeitpensum zuerst definieren

Vor jeder Berechnung steht die Definition der Vollzeit. Laut Indeed kann diese je nach Unternehmen oder Branche variieren; in der Schweiz beträgt eine Vollzeitarbeitswoche in der Regel 40 Arbeitsstunden. Ein Betrieb mit 42-Stunden-Woche hat eine andere Norm – Kelio rechnet sein Beispiel mit 42 Stunden pro Woche.

Aus der Wochennorm entstehen die Jahresstunden, die als Nenner dienen: 40 × 52 = 2'080 Stunden beziehungsweise 42 × 52 = 2'184 Stunden. Diese Zahl gehört schriftlich festgehalten, weil sie sich auf jeden VZÄ-Wert im Betrieb auswirkt. Sinnvoll ist zudem, die Norm nicht stillschweigend zu wechseln: Werden einzelne Abteilungen mit 40 und andere mit 42 Stunden gerechnet, sind die resultierenden VZÄ untereinander nicht vergleichbar.

Durchgerechnete Beispiele für Teilzeit und gemischte Teams

Einfache Fälle lassen sich im Kopf rechnen. 20 von 40 Wochenstunden ergeben 0,5 VZÄ; drei solcher Stellen summieren sich auf 1,5 VZÄ (Kelio). Eine Stelle mit 10 Stunden pro Woche entspricht 0,25 VZÄ, zwei solche Stellen ergeben zusammen 0,5 VZÄ (Factorial).

Für gemischte Teams liefert Factorial ein vollständiges Beispiel: Ein Unternehmen beschäftigt 10 Personen, davon 5 in Vollzeit (40 Stunden pro Woche), 3 auf Teilzeitstellen mit je 20 Stunden und 2 mit je 10 Stunden. Die Vollzeitkräfte bringen 5,0 VZÄ, die drei 20-Stunden-Stellen 1,5 VZÄ, die beiden 10-Stunden-Stellen 0,5 VZÄ – total 7,0 VZÄ bei zehn Beschäftigten.

Auf Jahresbasis rechnet Kelio vor: Bei einer Norm von 2'184 Stunden (42-Stunden-Woche) und insgesamt 1'092 geleisteten Stunden ergibt sich 1'092 ÷ 2'184 = 0,50 VZÄ. Das geleistete Arbeitsvolumen entspricht damit einer halben Vollzeitstelle über das ganze Jahr.

Beschäftigungsdaten richtig vergleichen

Reine Beschäftigtenzahlen sagen nichts über die tatsächliche Arbeitsleistung aus, wie Factorial festhält – bei hoher Teilzeitquote erscheint ein Betrieb grösser, als seine Kapazität ist. VZÄ schaffen die gemeinsame Basis, weil sie das Arbeitsvolumen unabhängig vom Beschäftigungsgrad abbilden.

Die offizielle Statistik zeigt, warum beide Grössen nebeneinander existieren. Gemäss der Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) des BFS waren 2023 in der Schweiz rund 5,64 Millionen Beschäftigte tätig, eine Zunahme von 1,5 % gegenüber 2022. Im Tessin wurden erstmals mehr als 250'000 Beschäftigte gezählt, während der Kanton Bern erstmals die Marke von 500'000 Vollzeitäquivalenten überschritt – der eine Wert zählt Personen, der andere rechnet Arbeitsvolumen. Zwischen 2011 und 2023 entstanden in der Schweiz über 770'000 Arbeitsplätze, wobei nahezu alle neuen Stellen auf den tertiären Sektor entfielen.

Auch die Unternehmensgrösse verzerrt das Bild, wenn nur VZÄ betrachtet werden: 89 % der Schweizer Unternehmen beschäftigen weniger als 10 Personen, nur 2 % haben 50 oder mehr Beschäftigte – auf diese rund 13'000 Unternehmen entfielen 2023 aber 58,8 % der Beschäftigung.

Vollzeitäquivalente (VZÄ) vs. Beschäftigtenzahl (Headcount)

Berechnungsgrundlage
Arbeitsvolumen in Stunden
Beispiel
3 Mitarbeitende mit je 20 Stunden/Woche = 1,5 VZÄ bei 40-Stunden-Woche
Zählweise
Zeitvolumen, nicht Personenanzahl
Verwendbarkeit für Vergleiche
Geeignet für Vergleich über Standorte, Branchen und Zeitperioden
Unterschiedliche Arbeitszeitmodelle
Berücksichtigung von Jobsharing, Teilzeit, flexiblen Modellen

Beschäftigungsdaten in der Schweiz (2023)

VZÄ im Kanton Bern
Über 500'000
VZÄ im Kanton Tessin
Mehr als 250'000

Wozu VZÄ im Arbeitsalltag dienen

In Schweizer Unternehmen dient das Vollzeitäquivalent der Planung von Personal, Ressourcen und Budget sowie der Erfassung der Mitarbeiterauslastung (Kelio). Konkret heisst das: Stellenpläne, Lohnsummen und Sachbudgets lassen sich auf VZÄ beziehen statt auf eine schwankende Kopfzahl.

Im Projektgeschäft dient die Kennzahl dazu, den Personalbedarf zu ermitteln und geleistete Stunden zu dokumentieren; sie kann auch für das Benchmarking von Einnahmen oder Gewinnen pro Mitarbeiter verwendet werden (Indeed). Wer Umsatz pro Kopf über Jahre vergleicht, sollte deshalb prüfen, ob die zugrunde liegende Zahl Beschäftigte oder Vollzeitstellen sind.

Factorial nennt als weitere Anwendungsfelder den Personalbedarf sowie den Auf- und Abbau von Personal im Rahmen von Umstrukturierungen. Voraussetzung ist in allen Fällen eine Zeiterfassung, die Ist-Stunden statt nur Pensen liefert – sonst bleibt die Berechnung eine Annäherung.

Grenzen der Aussagekraft und typische Fehlerquellen

Ferien, Feiertage und Abwesenheiten verändern die gerechneten Stunden, wie Kelio ausdrücklich festhält. Werden sie in einem Jahr abgezogen und im nächsten nicht, sind die VZÄ-Werte nicht vergleichbar. Deshalb legt man vorab fest, ob mit Soll-Stunden aus den Verträgen oder mit effektiv erfassten Stunden gerechnet wird, und wendet dieselbe Regel auf alle Vergleichsgrössen an.

VZÄ messen ein Zeitvolumen, nicht Ergebnisse. Aus einem hohen VZÄ-Wert lässt sich keine Aussage über Produktivität, Qualität oder Leistung einzelner Teams ableiten; dafür braucht es andere Kennzahlen. Ebenso wenig sagen VZÄ etwas über die Zahl der Arbeitsverhältnisse: Ein Wert von 1,5 kann aus drei 20-Stunden-Stellen oder aus einer Vollzeit- plus einer Halbtagsstelle entstehen.

Unterschiedliche Arbeitszeitmodelle und Jobsharing sind in der Schweiz laut Indeed verbreitet und erschweren die Budgetierung sowie die Personalzuweisung zu Projekten. Werden dabei nur Stellenprozente verglichen, ohne die dahinterstehenden Stunden zu erfassen, weichen Planung und tatsächliches Arbeitsvolumen auseinander.

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