
Indikatoren
Produzenten- und Importpreise: Bedeutung für Vorleistungen und Margen
Der Produzentenpreisindex des Bundesamts für Statistik (BFS) misst, wie sich die Preise jener Güter – Produkte und Dienstleistungen – entwickeln, die Unternehmen im Inland produzieren.
Worum es geht: Vorleistungen, Kosten und Margen
Der Produzentenpreisindex des Bundesamts für Statistik (BFS) misst, wie sich die Preise jener Güter – Produkte und Dienstleistungen – entwickeln, die Unternehmen im Inland produzieren. Zusammen mit dem Importpreisindex ergibt er den Gesamtindex der Produzenten- und Importpreise. Die Schweizerische Nationalbank veröffentlicht im Datenportal dessen Total sowie Aufschlüsselungen nach Art der Produkte und – bei verarbeiteten Produkten – nach Absatzgebieten.
Für Unternehmen sind diese Reihen die Preisbasis ihrer Vorleistungen: Halbfabrikate, Rohstoffe, Verpackungen, Energie, aber auch Vorleistungsdienstleistungen. Wer Einkaufspreise kalkuliert, findet dort die Bewegung, bevor sie sich in den eigenen Einstands- oder Verkaufspreisen niederschlägt. Ob sie durchkommt, hängt davon ab, ob der Betrieb bei inländischen oder ausländischen Lieferanten einkauft und wie stark der Vorleistungsanteil am Endprodukt wiegt.
Was der Produzenten- und Importpreisindex misst – und was nicht
Der Produzentenpreisindex erfasst Güter, die im Inland produziert werden, der Importpreisindex die Einfuhrpreise. Beide messen auf einer früheren Stufe als der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK), der den Warenkorb der Haushalte abbildet. Ein Vorleistungspreis kann sinken, während der Konsumentenpreis unverändert bleibt – und umgekehrt. Der Gesamtindex zeigt deshalb nicht die eigenen Beschaffungskosten, sondern eine gewichtete Durchschnittsbewegung über ein breites Gütersortiment.
Wie unterschiedlich sich die Ebenen entwickeln, zeigen die Konsumentenpreise selbst: Gemäss soaktuell.ch ist der LIK innert fünf Jahren um insgesamt sieben Prozent gestiegen; ein Warenkorb von 100 Franken (2021) entspricht heute theoretisch 107 Franken. 2025 fiel die Teuerung auf rund 0,2 Prozent, die Preise verharren aber auf dem erreichten Niveau. Für die Kalkulation heisst das: Ein rückläufiger Produzenten- oder Importpreisindex ist ein Signal für die Beschaffungsseite, nicht für die Absatzseite.
Konsumentenpreise vs. Produzenten- und Importpreise: Entwicklung über fünf Jahre
- Gesamtindex der Produzenten- und Importpreise — Rückgang um 0,3 % im Februar 2026
Frankenkurs, Importpreise und die Weitergabe an die Marge
Ein starker Franken verbilligt importierte Vorleistungen, in Franken gerechnet. Bei den Konsumentinnen und Konsumenten kommt davon wenig an: Bereits 2011 hielt swissinfo fest, dass sie kaum von den Preisvorteilen profitieren, die Schweizer Importfirmen dem Frankenkurs verdanken. Die Differenz bleibt entweder als höhere Marge beim Importeur oder wird – bei hartem Wettbewerb – über niedrigere Verkaufspreise weitergereicht.
Dasselbe Muster gilt für andere Kostenimpulse im Aussenhandel. Die Regiobank RBM hält in ihrer Publikation vom Februar 2025 fest, dass je nach Produkt entweder Konsumentinnen und Konsumenten höhere Preise oder Importeure und Anbieter geringere Margen zu akzeptieren haben. Der Kostenimpuls verschwindet also nicht, er verteilt sich anders. Bei Gütern mit hoher Preistransparenz und substituierbaren Anbietern landet er stärker in der Marge des Importeurs, bei differenzierten Produkten mit geringer Preiselastizität stärker im Verkaufspreis.
Raketen-Federn-Effekt: Warum Entlastung später ankommt
Die Preisweitergabe verläuft asymmetrisch. Steigen Rohstoff- oder Energiepreise, passt der Schweizer Handel seine Preise meist sofort an; sinken die Kosten an den Weltmärkten, bleiben die Preise zäh. soaktuell.ch nennt das den «Raketen-Federn-Effekt»: Preise schiessen wie Raketen hoch, sinken aber langsam wie Federn.
Die Quelle nennt drei Mechanismen. Erstens mangelnden Wettbewerb: In vielen Bereichen dominieren wenige Grossverteiler oder Anbieter; ohne echten Konkurrenzdruck fehlt der Anreiz, sinkende Einkaufspreise weiterzugeben, solange die Kundschaft den Preis zahlt. Zweitens lange Lagerzyklen und Verträge: Senkungen werden erst nach Abverkauf alter Bestände oder nach Auslaufen von Lieferverträgen geprüft, während Erhöhungen sofort antizipiert werden – auch wenn noch günstiger eingekauft wurde. Drittens die hohe Zahlungsbereitschaft in der als «Hochpreisinsel» geltenden Schweiz, die ausländische Produzenten abschöpfen. In diesem Zusammenhang nennt die Berichterstattung den Eidgenössischen Preisüberwacher Stefan Meierhans mit Preiserhöhungen ohne entsprechenden Kostengrund (soaktuell.ch, 9. Januar 2026).
Für Margen heisst das: Die Entlastung durch sinkende Einkaufspreise tritt später ein als die Belastung durch steigende Kosten. Wer Margen plant, sollte die Verzögerung auf der Entlastungsseite einbauen – ein Rückgang im Index ist kein Margengewinn, solange Lager und Verträge noch zu alten Preisen laufen.
Auswirkungen eines sinkenden Produzenten- und Importpreisindex auf die Marge
- Vorteile für die Marge
- Späterer Rückgang der Einstandspreise bei laufenden Verträgen ermöglicht höhere Margen nach Vertragsende
- Nachteile für die Marge
- Verzögerte Preisreduktion führt zu Fehlplanung, wenn Entlastung bereits als Margengewinn bucht wird
Monatliche Indexbewegungen für die Kalkulation lesen
Die monatlichen Mitteilungen liefern konkrete Anhaltspunkte: Im November 2022 sank der Gesamtindex der Produzenten- und Importpreise gegenüber dem Vormonat um 0,5 Prozent auf 109,2 Punkte (procure.ch), im Februar 2026 um 0,3 Prozent auf 99,5 Punkte (swisscofel, 17. März 2026). Solche Werte zeigen Richtung und Tempo der Bewegung auf der Vorleistungsstufe.
Sie ersetzen keine eigene Warenkorbprüfung. Der Gesamtindex mischt inländische Produzentenpreise und Importpreise über ein breites Sortiment; ein Minus im Total kann entstehen, während einzelne Warengruppen teurer werden. Genau dafür veröffentlicht die SNB im Datenportal die Aufschlüsselung nach Art der Produkte und – bei verarbeiteten Produkten – nach Absatzgebieten. Wer die Bewegung auf seine Beschaffung beziehen will, muss sie auf die eigenen Positionen herunterbrechen: Importanteil, Währung, Lieferantenland und Vertragsbindung entscheiden, ob ein Indexminus beim eigenen Einkauf ankommt.
Entwicklung der Produzenten- und Importpreise: Wichtige Monatswerte
- 2022November — -0,5 % gegenüber Vormonat
- 2026Februar — -0,3 % gegenüber Vormonat
Wichtige Kennzahlen zum Produzenten- und Importpreisindex
Ansatzpunkte für Beschaffung und Preisentscheide
Erster Schritt: Vorleistungen nach Importanteil und Vertragsbindung ordnen. Positionen mit hohem Importanteil reagieren auf Wechselkurs- und Weltmarktbewegungen, solche mit langen Lieferverträgen verzögert – ein Indexrückgang senkt zunächst nur die Wiederbeschaffungskosten, nicht die laufenden Einstandspreise.
Zweiter Schritt: die asymmetrische Weitergabe in der eigenen Planung antizipieren. Wer Kostensteigerungen sofort in den Verkaufspreisen weitergeben kann, sollte bei Entlastungen mit derselben Verzögerung rechnen, die Lagerzyklen und Verträge vorgeben. Zwei unterschiedliche Reaktionsgeschwindigkeiten zu planen verhindert, dass Entlastungen als Margengewinn budgetiert werden, bevor sie realisiert sind.
Dritter Schritt: Margen statt Umsatz steuern. Bei sinkenden Kosten und unverändertem Wettbewerbsdruck entscheidet die Preissetzungsmacht, wohin die Entlastung fliesst – in den Verkaufspreis oder in die Marge. Die eigene Position lässt sich vor der Verhandlung klären: Substituierbarkeit des Produkts, Preistransparenz beim Kunden, Laufzeit der bestehenden Verträge und Anteil der Vorleistung am Endpreis. Das ist ökonomische Orientierung, keine Rechtsberatung.
Handlungsschritte zur Anpassung an Indexbewegungen
- Schritt 1Vorleistungen nach Importanteil und Vertragsbindung ordnen
- Schritt 2Asymmetrische Preisweitergabe in der Planung antizipieren
- Schritt 3Margen statt Umsatz steuern – Entscheidungskriterien klären
Fazit
Produzenten- und Importpreise zeigen früh, wohin sich die Kosten für Vorleistungen bewegen; die Aufschlüsselungen des BFS und der SNB machen die Bewegung auf Produkt- und Absatzebene sichtbar. Ein Minus im Gesamtindex ist deshalb ein Anlass, die eigenen Positionen zu prüfen, nicht der Nachweis tieferer Einstandspreise: Warenkorbstruktur, Währungen und Vertragslaufzeiten können davon abweichen.
Ob eine Entlastung ankommt, entscheiden Wettbewerbsintensität, Lagerzyklen und Lieferverträge sowie die Zahlungsbereitschaft im Schweizer Markt. Am stärksten wirkt die asymmetrische Preisweitergabe dort, wo wenige Anbieter den Markt prägen und die Kundschaft hohe Preise akzeptiert. Eine Margenplanung, die diese Verzögerung einrechnet, bleibt realistisch.